Täglicher Marktbericht – 15. Juli 2026

Märkte

Die europäischen Aktienmärkte tendieren zur Wochenmitte leicht schwächer. Der DAX (DAX), der STOXX Europe 600 (SXXP) und der Euro Stoxx 50 (SX5E) werden durch die Spannungen im Nahen Osten und den hohen Ölpreis belastet. Die Stärke der Halbleiterwerte verhindert bislang deutlichere Verluste.

An der Wall Street hatten sinkende Inflationssorgen am Dienstag für Kursgewinne gesorgt. Der S&P 500 (SPX) stieg um 0,4 Prozent, der Nasdaq Composite (IXIC) um 0,9 Prozent. Im vorbörslichen Handel bleiben insbesondere Halbleiterwerte gesucht, während die Berichtssaison die Entwicklung einzelner Unternehmen stärker voneinander trennt.

Brent-Rohöl (UKOIL) notiert weiter oberhalb von 85 Dollar je Fass. Damit treffen zwei gegenläufige Kräfte aufeinander: Die niedrigeren amerikanischen Verbraucherpreise entlasten die Zinserwartungen, höhere Energiekosten erhöhen aber das Risiko eines erneuten Inflationsschubs.

Unternehmen

Im Mittelpunkt steht ASML (ASML). Der niederländische Anlagenbauer steigerte den Umsatz im zweiten Quartal auf 9,3 Milliarden Euro und den Nettogewinn auf 2,9 Milliarden Euro. Die Bruttomarge erreichte 54 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet ASML nun Erlöse zwischen 43 und 45 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 54 bis 56 Prozent. Die Aktie legt deutlich zu.

Die Prognoseanhebung bestätigt, dass die Investitionswelle in KI-Rechenzentren inzwischen mit voller Kraft bei den Ausrüstern der Halbleiterindustrie ankommt. ASML erwartet allein für das dritte Quartal einen Umsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro. Die technologische Sonderstellung bei EUV-Lithografie verleiht dem Unternehmen eine Preissetzungsmacht, über die nur wenige Zulieferer verfügen.

Von der Meldung profitieren auch ASM International (ASM) und Soitec (SOI). Anleger setzen darauf, dass die Ausgaben für modernste Logikchips, Speicher und Rechenzentren über mehrere Jahre hoch bleiben. Damit verschiebt sich der Fokus zunehmend von der allgemeinen KI-Erzählung auf Unternehmen, die unverzichtbare Produktionsmittel liefern.

Auch Richemont (CFR) überzeugt. Der Cartier-Mutterkonzern steigerte den Umsatz im ersten Geschäftsquartal bei konstanten Wechselkursen um 20 Prozent. Besonders das Schmuckgeschäft sowie die Nachfrage in Amerika und Asien entwickelten sich stark. Die Zahlen zeigen, dass führende Luxusmarken die schwache chinesische Binnenkonjunktur durch Marktanteilsgewinne und regionale Diversifikation ausgleichen können.

Schwächer tendieren klassische Softwarewerte wie SAP (SAP), Dassault Systèmes (DSY) und Sage Group (SGE). Belastend wirkt der Kurseinbruch von IBM (IBM). Investoren hinterfragen zunehmend, ob traditionelle Softwareanbieter zusätzliche KI-Umsätze erzielen oder ob Kunden ihre Budgets zugunsten von Chips, Speichern und Rechenzentren umschichten.

Im weiteren Tagesverlauf stehen die Ergebnisse von Morgan Stanley (MS), BlackRock (BLK) und Johnson & Johnson (JNJ) im Mittelpunkt. Nach den starken Zahlen von Goldman Sachs und JPMorgan wird bei den Finanzwerten besonders auf Investmentbanking, Handelsumsätze und Mittelzuflüsse geachtet.

Makroökonomie

Die amerikanischen Verbraucherpreise gingen im Juni nach Angaben des Bureau of Labor Statistics um 0,4 Prozent gegenüber dem Vormonat zurück. Gegenüber dem Vorjahr betrug die Inflationsrate 3,5 Prozent. Die Kernrate ohne Nahrungsmittel und Energie blieb im Monatsvergleich unverändert und sank auf 2,6 Prozent. Vor allem der Rückgang der Energiepreise um 5,7 Prozent drückte die Gesamtinflation.

Chinas Wirtschaft wuchs im ersten Halbjahr nach Angaben des National Bureau of Statistics of China um 4,7 Prozent. Im zweiten Quartal verlangsamte sich das Wachstum auf 4,3 Prozent. Während Industrie und Exporte vergleichsweise robust blieben, belasteten schwacher Konsum, rückläufige Investitionen und die anhaltende Immobilienkrise.

Um 14.30 Uhr Frankfurter Zeit veröffentlicht das Bureau of Labor Statistics die amerikanischen Erzeugerpreise für Juni. Am Abend folgt das Beige Book der Federal Reserve. Beide Berichte werden zeigen, ob sich der geringere Verbraucherpreisdruck auch bei den Unternehmen und in den einzelnen Wirtschaftsregionen bestätigt.